neue Texte von etcetera press berlin

Diese Veranstaltung ist beendet!

neue Texte von etcetera press berlin

Veranstaltet von: Erec Schumacher

Ort: Galerie Oqbo, Brunnenstraße 63, Berlin - Mitte

Vorträge & Diskussionen

Über die Veranstaltung

Elke Heinemann, Susan Madsen und Christiane Quandt lesen aus ihren frisch oder demnächst bei etcetera press berlin veröffentlichten Werken und kommen darüber mit dem Verleger Erec Schumacher ins Gespräch.
Elke Heinemann, Susan Madsen und Christiane Quandt lesen aus ihren frisch bzw. demnächstbei etcetera press berlin veröffentlichten Werken und kommen darüber mit dem Verleger Erec Schumacher ins Gespräch.

Elke Heinemann "gewölk gestein gewässer" (07/2025)

Drei Gedichtzyklen, 78 Texte à sieben Zeilen im Blocksatz: Eine klare, strenge Form, die überraschend weite Räume öffnet für das Naturmaterial in seiner Vielfalt, seiner Bewegung, seinen Übergängen. Elke Heinemann, Dichterin, Schriftstellerin und Essayistin, wurde für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet, zuletzt beispielsweise mit dem Bad Godesberger Literaturpreis 2023 und dem Venedig-Stipendium der BKM 2022. In ihrer Lyrik verbindet sie Naturbeobachtung mit Reflexion, Fantasie mit Empfindung, Assoziation mit poetischer Durchlässigkeit. Mikroskopische Betrachtungen und mythologische Perspektiven treffen aufeinander, vermischen sich miteinander und ziehen feine Netzwerke durch das Sichtbare und das gerade noch Sagbare, durch Außenwelt und Innenleben Die Dichterin Nora Gomringer nennt das eine „Weltenschau“, die beides zulässt – „ein Außen wie ein Innen“. Die Gedichte entstanden auf verschiedenen Inseln Europas – auf Anglesey in der Irischen See, auf Naxos in der Ägäis und auf den Inseln der venezianischen Altstadt. Sie sind keine Reiseprotokolle, sondern transformieren Wahrnehmung in Dichte, Licht in Struktur, Landschaft in Text.

Susan Madsen "Wahre Geschichten über unechte Kinder" (10/2025)

In ihrem Prosa-Debüt rekonstruiert die Autorin und Fotografin Susan Madsen ihre antiautoritäre Kindheit in Dänemark. Es sind Kurz-, oft Kürzestgeschichten, in denen sie lakonisch in einem fast sachlichen, oft humorvollen Tonfall die vermeintlich prekären Lebensumstände ihrer Kindheit erfahrbar macht. Die Geschichten sind dabei wie entkernt, wenige Zeilen genügen, um eine Szene, ein Stimmungsbild festzuhalten, auszuleuchten. Im Zentrum steht die Beziehung zur alleinerziehenden Mutter: ihr exzentrisches Wesen als yoga-praktizierende Selbstversorgerin und Mitglied der dänischen Kommunistischen Partei, ihre wechselnden Partnerschaften, ihre Nähe zu untergetauten RAF-Sympathisanten. Eine Mutter, die sich Auszeiten nimmt, so dass die Ich-Erzählerin und ihre Schwester zeitweise bei Pflegeeltern oder im Kinderheim untergebracht sind, oder wohnungslos in Zelten oder Abrisshäusern leben müssen. Es sind Geschichten über die psychisch erkrankte unter Epilepsie leidende Großmutter, über einen Nachbarsjungen der seiner Schwester in einem Spiel eine Kugel durch den Kopf schießt, über einen pädophilen Deutschlehrer und Quartalssäufer. Ein Leben voll mit Abenteuer und kleiner Glücksmomente, ein Leben mit Kakerlaken, Feen, Trollen und anderen Hausgeistern. Madsen erzählt über versteinerte Seeigel, die sie in Seidenpapier wickelt oder wie auf dem defekten Herd "ein Gebräu aus Putzmitteln, Salz und anderen ekligen Sachen" gekocht und als Kakao ausgegeben wird.

Christiane Quandt "Spiegelneurosen (09/2025)

"90 spiegelneurosen" ist nach "auf dem zauberberg ist kein platz mehr für alle" Christiane Quandts zweiter Lyrikband bei etcetera press berlin. Auch hier sind regelmäßig auf Social Media veröffentlichte autobiografische-autofiktionale Einträge der Ausgangspunkt, die in poetisch-verknappter Form Alltagssituationen beschreiben, Gefühlslagen und Identitäten sortieren und wieder durcheinanderwirbeln. Es handelt sich um eine Sprache ohne Zierleisten, in ständiger Metamorphose, mit bissigem Humor und selbstironischem Slapstick über Vulnerabilität, Neurodiversität und das eigene chronische Erkranktsein, immer mit dem Gespür für die sich unmittelbar auftuende Lücke im Text, im Alltag, im Leben. Es ist zugleich ein Bestiarium, in dem Quandt ihrer Verbundenheit mit allen tierischen Geschöpfen Ausdruck verleiht, sie schamanisch verwandelt oder diese einlädt, aktiv an ihrem Leben teilzunehmen. Quandt salutiert Schmetterlingen, trägt Raupen über die Straße oder legt einen wilden Ritt auf dem Rücken einer Schildkröte hin. Christiane Quandt ist Lateinamerikanistin und hat als Übersetzerin zahlreiche Bücher aus dem Spanischen und Portugiesischen ins Deutsche übertragen. Zuletzt erschienen Werke von Andrea Abreu, Alana Portero, Layla Martínez und Beatriz Serrano in ihrer Übersetzung. Sie lebt und arbeitet in der High-Deck-Siedlung in Berlin-Neukölln.

Ursprüngliche Veranstaltungsquelle

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